Gesangsworkshop

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Gesangsworkshop

Aus Gospelszene.de – dort auch mit erläuternden Bildern

Einsingen – Musikstile – Atmung – anatomische Gegebenheiten -Entstehung der Stimme – Resonanzräume – Zunge – Unterkiefer – Tonführung – Körperhaltung und -spannung

Kraftvoll, dabei leicht und mit gesunder Stimme singen, dabei helfen diese Tipps und Erklärungen zu Gesangstechnik und Stimme.
locker Singen lernen …

Tips zum Einsingen und Aufwärmen der Stimme von Isabella Rose

Es ist nicht nur wichtig Techniken zu kennen mit denen man seine Stimme trainieren und verbessern kann. Mindestens genau so wichtig ist es, seine Stimme vor z.B. einem Konzert aufzuwärmen.

VocalWorkshop von Andrés Balhorn

In dem Vokal Online-Workshop stellt Andrés Balhorn seine spezielle und von vielen 1000 Menschen (auch Profis) angewandte Art des Gesangstrainings vor. Nachzulesen ist das ganze Programm auch in seinem eigens verfassten Bestseller „POWERVOICE“.

Hallo Sängerinnen und Sänger!

In den nächsten Seiten werde ich Euch erklären, wie die Stimme funktioniert und welche Möglichkeiten der Rock/Popsänger hat, auf seine Stimme einzuwirken. Warum sind Sänger oftmals schon nach einer Stunde Training heiser? Kinder hingegen, die in bezug auf ihre Größe dreimal so viel Energie aufbringen, können vier Stunden am Stück schreien um sich am nächsten Tag, ohne das Gefühl von Heiserkeit, auf sechs Stunden zu steigern. Diesen Vorteil verdanken sie ihrer weitgehend unberührten Natürlichkeit, die wir im Laufe unseres Erwachsenwerdens verlieren. Oft für immer, wenn wir uns nicht bewusst machen, was wir verlernt haben.

Dieser Workshop wurde ursprünglich für die frühere VocalSzene.com geschrieben. Wir freuen uns sehr, ihn hier weiter anbieten zu können!

I-1) Einsingen / Aufwärmen der Stimme

Einleitung

Als ich die spannende Aufgabe bekam, für euch einen Online-Workshop über Einsingen zu schreiben, sah ich in meinen Gedanken eine detaillierte Anleitung, um ein zweistündiges Konzert bravourös zu meistern.

Und wer würde sich da nicht besser auskennen als ein erfolgreicher Künstler?

Also fing ich an, bekannte deutsche Künstler diesbezüglich zu interviewen und Tipps und Tricks aus ihnen rauszuquetschen. Das Ergebnis dieser Befragungen war: Es gibt keine goldene Regel, wie und wann man sich einsingen sollte.

Deshalb setze ich keine Richtlinien auf, sondern versorge euch mit einigen wirkungsvollen und spaßigen Übungen, die ihr nach Lust und Laune kombinieren könnt.

Zuerst aber etwas grundsätzliches über das Einsingen.

Einsingen, also sein Stimme aufwärmen, ist sehr wichtig. Nicht umsonst weist fast jeder Gesangslehrer auf den Vergleich mit einem Hochleistungssportler hin. Wenn ein Hochleistungssportler einen 1.000 m Lauf vor sich hat, muss er sich vorher aufwärmen, ansonsten läuft er Gefahr, seine Muskeln durch die plötzliche Anstrengung über zu strapazieren.

Singen ist auch Hochleistungssport. Unser Körper ist unser Instrument. Sämtliche Funktionen in ihm müssen einwandfrei laufen, damit wir freie und ökonomische Töne singen können. Die beiden Muskeln, die die Töne produzieren, werden Stimmlippen genannt (auch bekannt als Stimmbänder) und sitzen im Kehlkopf horizontal der Luftröhre auf. Diese kleinen Muskeln sollten auf große Anstrengungen, wie z. B. ein Konzert, vorbereitet werden.

Warum?

Bei einem Konzert ist man meistens aufgeregt. Wenn man aufgeregt ist wird die Atmung flach. Wenn man nicht genügend Luft zur Verfügung hat, fängt man an die wenige Luft raus zu pressen um einen Ton zu erzeugen. Statt als Tonerzeuger zu fungieren, müssen die Stimmlippen als Ventil gegen die raus strömende Luft arbeiten und dadurch können sie Schaden nehmen. Außerdem gibt man auf der Bühne natürlich sein Bestes. Durch den Adrenalinrausch geht man an seine Grenzen und die Stimmlippen müssen plötzlich Höchstleistung bringen.

Wenn die Stimme vorher nicht aufgewärmt wurde, ist das Risiko der Heiserkeit bis hin zu permanenten Schäden an den Stimmlippen sehr groß. Trotzdem bestätigt die Ausnahme die Regel: Wer diese Fehler nicht macht und ein geübter Sänger ist, kann auch ohne großartiges Aufwärmen ein tolles Konzert ohne Reue geben. Um dies zu belegen, schauen wir uns ein paar unterschiedliche Musikstile an, wie sie es mit dem Einsingen halten…

I-2) Unterschiedliche Musikstile und Einsingen?

Klassischer Gesang:

Für klassischen Gesang ist ein ordentliches Einsingen (damit ist Einsingen mit Atemstütztechnik, Tonleiterübungen etc. gemeint) unerlässlich. Da die Stimmlippen von einer Schleimhaut überzogen sind, kann es sein, dass sich etwas mehr Schleim auf ihnen absetzen und das ist für die klassische Stimme fatal, denn die Stimme klingt dann nicht mehr so rein und klar. Die Klassiker sprechen hierbei gerne von „verklebten Stimmlippen“ und damit dies nicht passiert, sind Süßigkeiten wie Bonbons, Schokolade und Getränke wie Milch und Cola (alles, wo Zucker drin ist) vor Auftritten verpönt. Beim Rock-/Pop-Gesang können diese Geräusche im Gegenteil sehr reizvoll klingen und ein geübter Sänger kann mit dem Schleim sogar „spielen“ und ihn effektvoll einsetzen.

Was auch tunlichst vermieden wird, ist Reden.

Das ging an der Wiener Staatsoper so weit (und ich denke, nicht nur dort), dass die Hauptdarsteller sich am Tag der Aufführung zu sprechen weigerten. Diese Sänger hatten, für den Fall, dass dringende Fragen beantwortet werden mussten, einige Zettel und einen Stift in der Tasche.

Was man im Gegensatz zum Schweigen aber hinter der Bühne immer laut hörte, waren Atemübungen jeder Art. Es „Fff“te und „Sch“te aus jeder Ecke. Eine tolle Übung, die mir eine ehemalige Sängerin der Wiener Staatsoper verriet und die man, egal welche Musikrichtung man singt, machen kann, ist folgende: Während man läuft, die Luft so lange wie möglich raus pressen (auf Fließlaute wie „fff“, „sss“ oder „sch“) und die Schritte dabei zählen. Beim nächsten Mal Luft raus lassen versuchen, noch länger aus zu atmen, also mehr Schritte zu schaffen. Der Körper wird lufthungrig und dadurch füllen sich die Lungen automatisch maximal mit Luft. So erweitert man sein Lungenvolumen. Aber bitte die Bauchmuskulatur beim Einatmen unbedingt locker lassen, sonst kann sich das Zwerchfell nicht genügend senken und ihr atmet nur nach oben in Richtung Schultern. Das einzige was sich beim Einatmen bewegen soll, ist der untere Bauchbereich, und der sollte schön dick und rund werden. Mehr Atemübungen stelle ich euch im Übungsteil vor.

Und wie sieht es mit dem Aussingen (Cool-down) aus? Dies macht kaum einer in der Praxis. Nach einer Aufführung gehen die meisten Sänger ins Restaurant und lassen dort den Abend in geselliger Runde ausklingen.

Chorgesang:

Im Chor haben die Sänger das Glück, einen Chorleiter zu haben, der mit ihnen Einsingübungen macht. Noch glücklicher sind sie, wenn der Chorleiter die Übungen variiert. Denn nichts ist langweiliger als jahrelang die gleichen Übungen zu singen.

Außerdem fördert es leider nicht die Konzentration, was sich dann gerne mit fröhlichem Geplapper bemerkbar macht und der Chorarbeit viel Zeit rauben kann.

Wie lange sich ein Chorleiter für das Einsingen bei Proben Zeit nimmt, ist Geschmackssache. Erfahrungen zeigen, dass auf jeden Fall, neben körperlichen Lockerungs-, Atem- und Gesangsübungen, Übungen für die Rhythmik eingebaut werden sollten, denn die Schwierigkeit im Chor ist, dass alle rechtzeitig einsetzen und rechtzeitig aufhören.

Beim Beobachten eines schwarzen Gospelchores fällt auf, dass sie sich alle gleich bewegen. Sie haben den gleichen „Groove“. Da wir hier in Deutschland nicht die gleichen musikalisch kulturellen Voraussetzungen besitzen, müssen wir halt mehr an unserer Rhythmik arbeiten.
Dies lässt sich z. B. durch folgende Übung schulen:

Der Chorleiter gibt ein langsames Trettempo vor: Der rechte Fuß geht nach rechts und man verlagert sein Körpergewicht dort, der Linke zieht dann hinterher, tippt kurz auf und bewegt sich dann wieder nach links und verlagert dort sein Körpergewicht, der rechte Fuß folgt usw. Das ist der Grundtakt. Der Chorleiter klatscht eine kurze Rhythmusabfolge vor, der Chor muss ihn wiederholen. Dies beliebig oft und in unterschiedlichen Taktschlägen (wie der Chorleiter möchte). Diese Übung fördert nicht nur das Rhythmusgefühl und die Konzentration sondern bringt auch Spaß.

Beim Einsingen vor Konzerten muss der Chorleiter ein Gefühl dafür haben, wie lange eingesungen werden kann. Auch in Chören macht sich Nervosität breit und dann ist es nicht ratsam, sich allzu lange ein zu singen. 10 Minuten sind dann vollkommen ok.

Rock-/Pop-Gesang:

Oha! Die schockierendste Nachricht zuerst: Der Geschäftsführer einer großen Konzertagentur mit vielen Rockbands hat mir erzählt, dass der Großteil der Sänger sich überhaupt nicht einsingt. Das sind aber auch meist diejenigen, die sich so anhören, als hätten sie morgens mit Reisnägeln gegurgelt. Was auch vollkommen legitim ist. Solange sie mit ihrer Stimme nach den Konzerten keine Probleme haben, warum sollte man daran etwas ändern?

Ein beliebter deutscher Popsänger singt sich vor seinem Konzert auch nicht bewusst ein. Da er bei einer Tournee sowieso tagtäglich singt, ist seine Stimme schon gut vorbereitet. Was er aber macht ist, dass er spätestens ab dem Soundcheck zwischendurch einige von den Songs, die er später zum Besten gibt, ansingt. Nach seinem Konzert spricht und singt er überhaupt nicht und fährt meist direkt zurück in sein Hotelzimmer.

Wenn er aber nur einen Song zu performen hat (z. B. bei einer TV-Sendung) macht er vorweg ein richtiges Aufwärmprogramm mit kleinen Übungen. Sein Rat: niemals leise singen! Leise singen ist für die Stimmlippen nämlich viel anstrengender als laut. Wobei man hierbei ein gesundes Mittelmaß finden sollte. D. h. versucht niemals Vollgas zu geben oder auf Krampf gewisse Töne zu treffen, sonst ist die Stimme schon vor dem Konzert überanstrengt und ihr könnt keine 100% mehr geben.

Wer ein Musterbeispiel für Einsingen ist, ist das beliebte deutsche Popsternchen Jeanette. Egal ob für ein Konzert, TV-Auftritt oder Studioaufnahmen, sie nimmt sich immer Zeit ihre Stimme richtig aufzuwärmen. Das Einsingen dauert bei ihr mindestens 10 Minuten, wenn sie Zeit hat bis zu 30 Minuten. Sie singt sich nach folgendem Schema ein:

Atemstütztechnik: z. B. „P, T, K“ (bei jedem Konsonanten setzt man einen Impuls, der sofort wieder gelöst wird)

Alle Töne von so hoch oben wie möglich runter singen indem man die Luft durch die Lippen presst und sie so vibrieren lässt (klingt wie „Brrr“). Dies tut sie fünf bis sechs Mal.

Normale Gesangsübungen wie z. B. unterschiedliche Vokale auf Dreiklang

Nach dem Auftritt macht sie manchmal noch zwei bis drei Mal die „Brrr“-Übung, aber mehr „Cool-down“ wird nicht gemacht. Ihr Ratschlag lautet: Immer Halstuch tragen und sich nicht in zu heißen/trockenen Räumen aufhalten (sonst Fenster öffnen).

I-3) Einsingen der Stimme

Allgemeines und Wichtiges für die Stimme

Wichtig: Vor dem Auftritt niemals zu lange und niemals zu hart die Stimme trainieren. Gut ist, wenn man ab und zu ein bisschen singt. Also über den Tag verteilt mit Pausen dazwischen.

Um seinen Körper in Gang zu bringen, ist Sport eine gute Möglichkeit. Wer normalerweise gerne Sport macht kann z. B. am gleichen Tag joggen gehen. Ist kein Muss, regt aber die Durchblutung des Atemapparates an und lässt die Lungen schon mal ordentlich arbeiten und in Schwung kommen.

Atemübungen sind nicht nur gut um das Lungenvolumen zu vergrößern, sondern haben auch den Nebeneffekt, dass die Eingeweide massiert werden (toll für die Verdauung!) und man sich durch die tiefe Bauchatmung entspannt und beruhigt. Tiefe Bauchatmung geht verständlicherweise nicht so gut, wenn man gerade gegessen hat, deshalb sollte man niemals kurz vor einem Konzert essen. Circa eine Stunde vorher sollte man mit seiner „leichten“ Mahlzeit (Sorry: keine Schweinshaxe mit Pommes!) fertig sein, um dem Körper genügend Zeit zu geben, sich zu erholen.

Genügend trinken ist zu empfehlen, da das nicht nur für die Stimme gut ist, sondern das Schlucken auch eine beruhigende Wirkung hervorruft. Vorzugsweise stilles Wasser, Früchtetees (kein Schwarz-, Pfefferminz- oder Kamillentee, der trocknet aus!) oder Apfelschorle. Am besten die Finger vom Alkohol lassen, der trocknet auch aus und bei übermäßigem Verzehr glaubt man, dass man super singt, leider wird das Publikum dem nicht beipflichten. Bei den alkoholischen Getränken bildet Bier aber eine Ausnahme (in einer wohldosierten Menge). Die Hefe macht es möglich.

Noch ein kleiner Rat von Whitney Houston: Niemals im Flugzeug oder im Auto mit Klimaanlage singen. Die Gefahr der Heiserkeit und Erkältung ist dann am größten. Des Weiteren sollte man nicht in großer Kälte singen, denn dies begünstigt Atemwegserkrankungen.

Wie ihr seht, gibt es viele unterschiedliche Arten, sich ein zu singen. Wichtig ist, dass man auf seinen Körper hört und herausfindet, was für einen selbst das Beste ist. Versucht niemals vor dem eigentlichen Auftritt Höchstleistung zu vollbringen, ihr verschießt euer Pulver. Wer vor einem Konzert sehr aufgeregt ist, singt sich halt nur 10 Minuten ein oder macht nur Atemübungen. Wer das Einsingen als Beruhigung empfindet, dehnt das Einsingprogramm auf 30 Minuten aus. Wichtig ist, dass ihr euch wohl fühlt und Spaß am Einsingen habt.

I-4) Einsingübungen

Die folgenden Übungen sind für den Fall des Einsingens vor Konzerten, Studioaufnahmen etc. gedacht. Sie sind nur zum aufwärmen des Körpers als Instrument und ersetzen keinen Gesangsunterricht. Es gibt so viele Gesangsmethoden wie es Gesangslehrer auf dem Markt gibt. Egal welche Richtung ihr singt, diese Übungen könnt ihr machen.

Als allererstes wecken wir den Körper auf.

  1. Beugt euch im Stehen mit dem Oberkörper so weit es geht runter, und schüttelt dabei die Arme aus. Dann kommt sehr langsam wieder hoch. Richtet euch Wirbel für Wirbel wieder auf.
  2. Reckt und streckt euch. Stellt euch auf die Zehenspitzen und greift nach den Sternen.
  3. Lasst die Schultern zuerst vorwärts und dann rückwärts kreisen. Zieht sie dann zwei oder drei Mal so weit Richtung Ohren wie es geht, verharrt in dieser Position ca. fünf Sekunden und lasst sie dann locker.
  4. Kreist den Kopf langsam und vorsichtig (Ehrgeiz ist hier fehl am Platz) einmal mit und einmal gegen den Uhrzeigersinn.

So steht ihr beim Singen optimal:

Die Füße stehen so weit auseinander wie die Hüftknochen. Die Knie sollten nie durchgestreckt sein (leicht gebeugt ist vorteilhaft). Stellt euch einen Faden vor, der euch am Scheitelpunkt wie eine Marionette nach oben zieht. Schulterpartie ist locker.
Atemübungen

Mit diesen Übungen versuchen wir unser Atemvolumen zu vergrößern und das Zwerchfell dazu zu bringen, sich möglichst tief zu senken. Mir geht es bei diesen Übungen um die tiefe Bauchatmung. Ob ihr es richtig macht, könnt ihr überprüfen, indem ihr eine Hand auf den unteren Bauchbereich legt (der unter dem Bauchnabel). Weil das Zwerchfell sich beim Einatmen nach unten bewegt, drückt es die darunter liegenden Organe nach unten. Um ihnen Platz zu geben muss die Bauchmuskulatur locker sein. Es entsteht ein dickes Bäuchlein (Eitelkeit hat keine Chance). Versucht also in eure Hand rein zu atmen. So atmet ihr schön tief. Auf die richtige Atemtechnik gehe ich hier nicht detaillierter ein, denn das würde den Rahmen sprengen.

  1. „Schritte zählen“ (s. dritten Absatz unter „Klassischer Gesang“)
  2. „Suppe schlürfen“ Luft raus pusten als würdet ihr eine heiße Suppe kühlen wollen – Lufthunger spüren – die Luft rein schlürfen, als ob ihr die heiße Suppe schlürft.
  3. „Mamma“ Beginnt damit, diese Übung dreimal hintereinander zu singen, ohne Luft zu holen. Am Ende holte ihr mit weit geöffnetem Mund tief Luft (in den unteren Bauch) und singt dann sofort wieder weiter. Dieses Mal erweitert ihr die drei Mal um ein weiteres, also singt ihr die Übung vier Mal ohne zwischen zu atmen. Das nächste Mal fünf Mal, dann sechs Mal usw. Dies könnt ihr so lange weitermachen, bis ihr keine Luft mehr habt.

Artikulationsübungen

Beim Singen sollte unser Artikulationswerkzeug flexibel sein, damit wir die Schallwellen nach belieben formen können.

  1. „Mamma“ (Noten s. Atemübungen)
  2. Für Kiefer und Lippen: Mamma, variiert mit memme, mimmi, mommo, mummu
  3. Für vorderen Zungenbereich und Kiefer: Lalla, variiert mit lelle, lilli, lollo, lullu
  4. Für hinteren Zungenbereich, Gaumen und Kiefer: Gagga, variiert mit gegge, giggi, goggo, guggu
  5. Und jetzt im Zusammenspiel: Malaga, variiert mit melege, miligi, mologo, mulugu
  6. „Wowa“ Versucht bei dieser Übung freundlich zu lächeln, so bezieht ihr noch mehr Gesichtsmuskeln mit ein.

Tonabfolgen

Alle Übungen könnt ihr beliebig in Ganztonschritten nach oben oder nach unten transponieren. Solange es noch angenehm ist und ihr euch nicht überanstrengt.

  1. „aeiou“ Bei dieser „Vokalausgleich“-Übung (das bedeutet grob, dass der Tonsitz sich beim Übergang in einen anderen Vokal nicht ändern sollte) wird mit dem Mundraum und der Gesichtsmuskulatur gearbeitet. Atmet tief ein und singt langsam a-e-i-o-u auf einem Ton gleich bleibend. Dann atmet wieder tief ein und geht einen Ton höher usw.
  2. Die „aeiou“-Übung jetzt mit folgenden Tönen

16.“Ja“ variiert mit je, ji, jo, ju

  1. „jammdalla“
  2. „ding däng dong“

Spaß

Singt ein einfaches Lied wie z. B. „Oh Happy Day“, „Killing Me Softly“ oder ein anderes das ihr gut kennt. Es kann auch einfach nur der Refrain eines Songs sein. Spielt mit diesem Song herum. Transponiert ihn mal nach oben oder nach unten. Schmückt ihn mit eigenen Melodien und Add Lips aus.
Intonation

Singt den ersten Song an. Somit habt ihr die Anfangstöne im Kopf wenn es losgeht und einen sicheren Start.
Zum Schluss

„Brrr“ Alle Töne der Tonleiter von so hoch oben wie möglich runter singen indem man die Luft durch die lockeren Lippen presst und sie so vibrieren lässt (kitzelt). Fünf bis sechs Mal.

Stellt euer eigenes kleines Einsingprogramm zusammen, mit Übungen die euch Spaß machen. Das Einsingen soll euch schließlich auch in eine positive Stimmung versetzen, die ihr dann an das Publikum weitergebt und dann macht Singen glücklich!

In diesem Sinne: Habt Spaß und freut euch über eure Stimme, eure
Isabella STARBASIX

P.S. Für alle die von Einsingübungen nicht genug bekommen können hier ein kleiner Buchtipp: „200 Einsing-Übungen für Chöre und Solisten“ von Klaus Heizmann ISBN 3-7957-5599-9 (ED 9483)

Gesangsworkshop II

VocalWorkshop von Andrés Balhorn

  In dem Vokal Online-Workshop stellt Andrés Balhorn seine spezielle und von vielen 1000 Menschen (auch Profis) angewandte Art des Gesangstrainings vor. Nachzulesen ist das ganze Programm auch in seinem eigens verfassten Bestseller „POWERVOICE“.

Zuerst aber eine kleine Vorstellung von Andrés Balhorn und ein paar persönliche Worte:
Andrés Balhorn, geb. am 21.03.1963 in Monte Carlo, Argentinien ist seit 12 Jahren als Privatdozent für Rock/Pop-Gesang tätig. Auf rund 300 Seminaren und Workshops und im Einzel-, sowie Gruppenunterricht hat er mit ca. 7000 Sängerinnen und Sängern gearbeitet. Er und sein Team unterrichten unter Studio, Übungsraum- Livebedingungen, mit PA, Playbacks, CD-Aufnahmen und Videoanalysen. 1996 erschien bei Gerig Music sein Erfolgsbuch POWERVOICE, welches zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Online-Workshops im Jahr 2003 bereits in die 5. Auflage ging. Andrés Balhorn, der das POWERVOICE-Ausbildungszentrum Hamburg leitet, ist einer der erfolgreichsten Gesangstrainer Europas.

Hallo Sängerinnen und Sänger!

In den nächsten Seiten werde ich Euch erklären, wie die Stimme funktioniert und welche Möglichkeiten der Rock/Popsänger hat, auf seine Stimme einzuwirken. Warum sind Sänger oftmals schon nach einer Stunde Training heiser? Kinder hingegen, die in bezug auf ihre Größe dreimal so viel Energie aufbringen, können vier Stunden am Stück schreien um sich am nächsten Tag, ohne das Gefühl von Heiserkeit, auf sechs Stunden zu steigern. Diesen Vorteil verdanken sie ihrer weitgehend unberührten Natürlichkeit, die wir im Laufe unseres Erwachsenwerdens verlieren. Oft für immer, wenn wir uns nicht bewusst machen, was wir verlernt haben.

Sängerin und Sänger, Schülerin und Schüler etc. ist auf Dauer beim Schreiben und Lesen langatmig, weshalb ich bei der männlichen Anrede des Sänger und Schülers bleibe, wobei ich natürlich genauso die weiblichen Kolleginnen meine!

II-1) Einleitung: die Atmung!

Der Sänger sollte Verlerntes wieder lernen. Wie jedoch, wenn er nicht weiß wie?
Warum sind Stimmen, wie die von Tina Turner, Steven Tyler, Joe Cocker oder Whitney Houston so robust?
Weil sie eine vernünftige, Rock/ Pop-praxisorientierte Atmung einsetzen, die sich von der klassischen Atmung grundlegend unterscheidet.
Die Einatmung geschieht, wie Du auf der Abb. 1 erkennen kannst, über den Mund,- und Nasenraum, über die Luftröhre in die Lunge.
Doch ganz so einfach ist das mit der Einatmung nicht. Die Lunge besteht aus elastischem Gewebe und nicht aus Muskeln.
Die Lunge verhält sich wie ein Schwamm in einer geschlossenen Hand. Erst wenn die Hand sich öffnet, kann der Schwamm sich ausdehnen.
Auf die Lunge bezogen heißt das: Erst wenn die Lunge umgebene Muskulatur es zuläßt, gelangt Luft in die Lunge.
Den oberen Teil der Lunge umgibt die Zwischenrippenmuskulatur. Diese Muskulatur hebt die Rippen und so gelangt die Luft in den oberen Lungenbereich. Bei diesem Vorgang spricht man von Brustatmung.

Die effektivere Atmung jedoch ist die Bauchatmung, bei der sich das Zwerchfell hinabsenkt und die Lunge mit nach unten zieht, so daß viel Luft in den unteren Lungenbereich strömen kann.

Ganz wichtig bei der Einatmung ist, daß die Bauchmuskulatur locker und nicht gespanntist! Denn wenn Du bei der Einatmung das Zwerchfell gegen die Bauchmuskulatur kämpfen lässt, wirst Du ähnlich enden wie viele Sänger, die ihre Stimme durch überhöhte Kraftanstrengung ruiniert haben.

Lautstärke kannst Du eine Zeit lang durch Kraft erreichen, dann wird Deine Stimme jedoch früher oder später erschlafft sein. Lautstärke sollte durch Spannung und nicht durch überhöhte Kraftanstrengung erreicht werden.

Die Kunst beim Singen ist es nicht, so viel wie möglich Luft einzuatmen um sie dann wieder abzugeben. Die Kunst des Rock/ Pop-Gesangs besteht darin, zu lernen, wie ich möglichst wenig Luft, mit höchstem Nutzen abgebe.

Wenn Du das begriffen und umsetzen kannst, spielt Heiserkeit für Dich keine Rolle mehr!

Da das Zwerchfell ein kräftiger Muskel ist, der die Bauchorgane verdrängt, heißt der Merksatz für die Einatmung:

Luft geht rein – Bauch geht raus!

Die Bauchmuskulatur darf bei der Einatmung nicht gespannt sein, muss also wie bereits erwähnt locker bleiben!

Übung:

Lege Dich auf den Rücken, eine Hand liegt auf dem Bauch. Wenn Du jetzt langsam auf „ffff“ ausatmest, solltest Du spüren, wie der Bauch langsam dünner wird. Wenn Du keine Luft mehr hast, bewege ein wenig den Hals, um nicht zu verkrampfen.

Dann lass mit der Einatmung die Bauchmuskulatur los und zieh die Luft staunend mit einem tiefen „ooo“ ein.

Du wirst feststellen, daß der Bauch mit einem Schlag dicker wird, weil das nach unten zusammenziehende kräftige Zwerchfell die Bauchorgane verdrängt und die Lunge mit sich nach unten zieht. So gelangt die Luft in den unteren Bereich der Lunge. Die Kunst besteht jetzt darin, beim Singen so wenig Luft, wie möglich, so viel, wie nötig abzugeben!

Wenn Du einen hohen Ton mit der Bruststimmeproduzieren willst, ohne Kraft einzusetzen, dann solltest Du einen Überdruck in der Lunge aufbauen!

Wie kannst Du das erlangen? Vergleichen wir die Lunge mit einem Blasebalg. Wenn Du auf einen Blasebalg trittst, strömt die Luft aus demselben. Der Blasebalg füllt sich automatisch mit Luft, wenn Du den Fuß von ihm nimmst.

Wie kommt das? Ganz einfach: in dem Blasebalg herrscht nach Abgabe der Luft ein Unterdruck. Dieser Unterdruck wird durch den atmosphärischen Druck ausgeglichen. Ähnlich ist es bei der Lunge.

Wir müssen nicht ans Atmen denken, sie geschieht automatisch. Wenn wir jetzt einen tiefen Ton singen, brauchen wir nicht viel Energie. Halten wir jetzt eine Flöte an den Blasebalg, um einen tiefen Ton zu produzieren, so reicht ein leichtes Hinunterdrücken des Gummis und der Ton entsteht.

Wollen wir jedoch einen hohen Ton produzieren, müssen wir das Gummi kräftig hinunterdrücken, diesen Ton zu produzieren. Wir wenden Kraft an. Kraft bedeutet Druck. Wenn wir bei der Stimme einen hohen Ton produzieren, müssten wir auch Druck ausüben, um die Stimme zum Klingen zu bringen. Druck ist jedoch schlecht, da die Stimmbänder (der richtige Ausdruck lautet: Stimmlippen) einem hohen Luftdruck entgegenarbeiten müssten, was mit pressen gleichzusetzen ist.

Wie können wir den Druck ersetzen/kompensieren? Ganz einfach. Zurück zum Blasebalg.

Wenn wir den Blasebalg mehr als bis zum Druckausgleich füllen, entsteht der hohe Ton an der Flöte von selbst, also ohne Druck, da der Überdruck im Blasebalg automatisch dorthin geht, wo weniger Druck herrscht, also nach draußen in die Atmosphäre.

Wenn Du also so intensiv einatmest, so dass in der Lunge ein großer Überdruck herrscht, musst Du die Luft für einen hohen Ton nicht mehr hinauspressen, sondern nur noch zurückhalten, da sie von selbst hinaus will.

Zurückhalten kannst Du die Luft mit Hilfe eines großen Muskels, der das Zwerchfell daran hindert schnell wieder hochzuschnellen. Dieser Muskel ist die Bauchmuskulatur, die ideal die Luftabgabe kontrollieren kann.

Wenn Du die Bauchmuskulatur anspannst, kannst Du nicht in den unteren Bereich der Lunge einatmen- unmöglich. Wenn Du sie jedoch nach der Einatmung spannst, hällst Du die Luft zurück und kannst sie dosiert abgeben.

Wichtig ist jedoch, dass Du nach der Einatmung kurz kontrollierst, ob tatsächlich die Bauchmuskulatur die Luft zurückhält, oder, wie es am Anfang oft der Fall ist, Du im Hals einen Verschluss bildest.

Das kannst Du gut kontrollieren, indem Du nach der Einatmung „eins, zwei, drei“ sprichst. Klingt es angestrengt, hällst Du den Überdruck im Hals (an den Stimmlippen) zurück.

Klingt es locker, dann ist die Bauchmuskulatur optimal eingesetzt. Beim Üben solltest Du unbedingt den Kopf locker bewegen, da Du dann ausschließen kannst, dass Du im Hals verkrampfst.

Beim nächsten Teil des Workshops erkläre ich, wie die Stimme entsteht und welches die größten Fehler der Sänger sind und wie man sie ganz easy abstellen kann, ganz logisch und ohne jahrelanges Üben!

Bis dahin, viel Erfolg beim Atmen!

POWERVOICE gibt in Hamburg die sensationellen Intensiv-Workshops für Amateure und Profis auf der Basis dieser einzigartigen Methode. Falls Du mehr über den revolutionären Unterricht erfahren möchtest, kannst Du Dich unter:

www.powervoice.de

II-2) Die ökonomische Ein- und Ausatmung!

Nachdem wir uns im letzten Workshop mit der Einatmung beschäftigt haben (Luft geht rein, Bauch geht raus), werdet Ihr heute erfahren, wie Ihr die Luft ökonomisch abgebt, um einen kontrollierten Ton zu produzieren.

Die Luft wird aus der Lunge über die Luftröhre an die Stimmlippen (Ihr kennt sie als Stimmbänder) gebracht. Die gespannte Kehlkopf, Lunge und ZwerchfellBauchmuskulatur hindert das Zwerchfell daran zu schnell zu steigen und unkontrolliert Luft abzugeben. Eine kontrollierte Luftabgabe ist der Schlüssel für ein Singen auf technisch hohem Niveau.

Freddie Mercury, Elvis Presley, Frank Sinatra konnten es, Tina Turner, Mariah Carey, Michael Bolton, Steven Tyler können es, und auch Ihr werdet es lernen.

Die Stimmlippen (auf deren Funktion werde ich im nächsten Workshop eingehen) sind Muskeln. Muskeln kann man trainieren, als Sänger muss man sie trainieren. Diese Muskulatur wird durch Training nicht nur belastbarer sondern auch geschmeidiger. Ein Grund, warum es in Deutschland, im Vergleich zu den USA oder England so wenig technisch gute Sängerinnen und Sänger gibt, ist die viel verbreitete Meinung, dass man Talent hat oder nicht. Das stimmt so nicht!
Professionelles Singen ist wie Leistungssport und kein Leistungssportler kann es sich leisten, nicht zu trainieren. Dies genau, aber denken viele Sänger, müssen nur Instrumentalisten. Die Stimme ist jedoch ein Instrument, also muss ich trainieren um dieses Instrument zu beherrschen.

Zur Praxis:
Atme die Luft auf „ffff“ gleichmäßig und kontrolliert aus. Achte darauf, dass der Bauch langsam flacher wird (Indiz für eine gute Bauchmuskelarbeit). Wenn Du glaubst, keine Luft mehr zu haben, wirst Du feststellen, dass Du immer noch stoßweise ein „ffff“ von Dir geben kannst. Tu es!
Das Zwerchfell fängt nun mehr oder minder an zu zittern. Halte noch ein klein wenig aus, drehe Deinen Kopf hin und her, um sicherzustellen, dass Du im Halsbereich nicht verkrampfst. Jetzt spreche ganz langsam „eins, zwei, drei“ und achte dabei darauf, das die Worte locker produziert werden. Hältst Du einen Verschluss im Halsbereich, ist es ein Indiz für eine Verkrampfung. Was passiert, wenn Du diese Worte nicht locker sprechen kannst? Verantwortlich für das Abgeben der Luft sollte nur die Bauchmuskulatur sein.
Wenn die Worte verkrampft gesprochen werden, hält nicht die Bauchmuskulatur die Luft zurück, sondern die Stimmlippen arbeiten als Ventil für die Luft, was beim Singen fatale Folgen hat. Du wirst so im Anschluss keine unverkrampfte Luftaufnahme zustande bringen, da Du bei der Einatmung gegen die geschlossenen Stimmlippen arbeiten musst. Schaffst Du es die Zahlen locker zu sprechen, hast Du die Gewähr, das lediglich die Bauchmuskulatur in die Luftabgabe involviert ist.
Gehst Du jetzt in eine intensive Einatmung, indem Du die Bauchmuskulatur loslässt und staunend (der Ton, der bei der Einatmung hörbar ist, sollte einem tiefen „o“ oder „a“ entsprechen) gelangt die Luft ungehindert bis in den unteren Bereich der Lungenflügel. Nach der intensiven Einatmung spreche erneut „eins, zwei, drei“ um sicherzugehen, dass die Stimmlippen bei der Tonerzeugung nicht verkrampfen. Wenn Du jetzt einen mittelhohen Bruststimmenton (am Besten auf „ääää“) produzierst, versuche den Toneinsatz nicht lauter und nicht leiser zu gestalten, als den ganzen Ton, den Du 10 Sekunden hältst.

Anfangs ist es schwierig, die Luftabgabe so zu dosieren, dass kein Impuls oder ein hauchiger Einsatz entsteht. Wenn ein Impuls entsteht, oder der Ton verhaucht einsetzt, spricht dies für eine unökonomische, unkontrollierte Luftabgabe. Um ein technisch guter Sänger zu werden ist es jedoch wichtig, kontrolliert Luft an die Stimmlippen zu geben. Für die powervolle Bruststimme ist eine absolute Kontrolle über die Bauchmuskulatur wichtig.
Schiebe Deinen Bauch beim ersten Ton also nicht rein, damit die Luft nicht mit einem Schub an die Stimmlippen gelangt. Dieses unökonomische Luftabgeben ist einer der Hauptgründe für das schnelle „Erheisern“ bei Sängern. Immer wieder kommen „professionelle“ SängerInnen zu mir, die über Heiserkeit klagen. Die meisten von Ihnen haben nicht gelernt, die Bauchmuskulatur bei der Einatmung loszulassen und verkrampfen schon bei der Einatmung. Die Ursache von Heiserkeit ist nicht nur eine unkontrollierte Lautstärke oder die Tonhöhe, sondern fast immer eine schlechte Einatmung, verbunden mit einer unkontrollierten Luftabgabe.

Übung:
Lege Dich auf den Rücken, stell Dir einen sehr schweren Gegenstand (ein Gewicht von ca. 10-20 kg) auf den Bauch und führe die Übung wie oben beschrieben durch. Beim Toneinsatz und während der gesamten Übung darf sich das Gewicht nicht ruckartig bewegen. Der Bauch wird beim Singen nur langsam flacher. Wichtig ist, dass Du nicht in die Einatmung singst, sondern eine kurze Pause einlegst, um zu gewährleisten, dass Du im Halsbereich (an den Stimmlippen) nicht verkrampfst!!!

Trainingsvorschlag-Kurzversion:

  1. staunende Einatmung (ein tiefes, stimmloses „o“ oder „a“ ist hörbar)
    2. sage ganz locker: „1, 2, 3“
    3. Ton auf „ääää“ (ca. 10-15 Sekunden)
    4. sage ganz locker: „1, 2, 3“
    5. beginne wieder bei 1

Wie gesagt, wichtig ist, dass Du im Halsbereich immer locker bist!!!

Beim nächsten Teil des Workshops geht es u. a. darum, wie die Bruststimme (bspw. Steven Tyler), Kopfstimme (bspw. Celine Dion), Pfeifstimme (bspw. Mariah Carey), Taschenfaltenstimme (bspw. Joe Cocker) entsteht und wie wir sie einsetzen können.

II-3) Die Entstehung der Stimme

Ein wichtiger Satz im vorangegangenen Workshop besagte, dass Du im Halsbereich beim Singen immer locker sein solltest. Warum? Dafür müssen wir erst die Frage klären: Wie entsteht ein Ton?
Ein Ton ist nichts anderes als Luft, die beim Ausatmen durch die Luftröhre im Kehlkopf an die Stimmlippen gelangt. Die Stimmlippen geraten durch diese Energie in Schwingung. Die Luft oberhalb der Stimmlippen wird geteilt. Es entstehen Schallwellen – ein Ton.

*Die Stimmlippen befinden sich horizontal im Kehlkopf und sitzen der Luftröhre auf. Sie sind ca. 1,5 bis 2,5 cm lang und bestehen aus einem Muskelgeflecht.

Wenn Du mal mit Deinem Finger Deinen Adamsapfel (auch Frauen haben einen, der jedoch nicht so ausgeprägt ist, wie bei Männern) leicht nach oben/hinten drückst, wirst Du feststellen, dass sich Deine Stimme beim Reden verändert. Die Stimmen klingt eng und dünn.

Die Stimmlippen sind innen mit dem Schildknorpel (der Adamsapfel ist der vorderste Punkt des Schildknorpels) verwachsen und gehen schenkelartig Richtung Nacken auseinander. Wenn der Hals beim Singen fest ist, wirst Du keine lockeren Töne produzieren. Wenn Du Dir technisch hervorragende SängerInnen ansiehst, wirst Du beobachten können, wie oft sie den Kopf beim Singen locker hin und her bewegen.

Wie gesagt, ein Ton entsteht dadurch, dass die Luft, die die Lunge nach der Einatmung wieder abgibt, die Stimmlippen in Schwingungen versetzt. Man stelle sich das wie bei einer Gitarre vor:

Wenn Du einen tiefen Bruststimmenton singst, verhält es sich, wie das Zupfen an einer dicken Gitarrensaite. Man braucht nur wenig Energie, um die Saite zum Klingen zu bringen. Wenn ich auf der gleichen Saite einen höheren Ton produzieren möchte, so muss ich mit einen Finger der linken Hand die Saite herunterdrücken. Dadurch verkürze ich die Saite, weniger Masse schwingt und die Spannung der Saite wird größer. Je weiter ich mich mit der linken Hand auf den Steg zu bewege, desto größer wird die Spannung, desto kürze die Saite und desto weniger Masse schwingt. Ich benötige viel mehr Energie, um die Saite zum Klingen zu bringen.

Das Gleiche geschieht bei einem Gesangston. Bei einem tiefen Ton sind die Stimmlippen kaum gespannt, Du benötigst relativ wenig Luft (Energie), um sie zum Klingen zu bringen. Je höher der Ton ist, den Du produzierst, desto mehr Luftenergie benötigst Du, um die Schwingung der Stimmlippen aufrecht zu erhalten, weil sie sich immer mehr spannen.

Ziehe jetzt einen tiefen Bruststimmenton (auf „äää“) so weit nach oben, wie es geht. Du wirst feststellen, dass irgendwann ein Bruch entsteht, wo Deine Bruststimme in die Kopfstimme wandert. Das passiert, weil Du ja natürlich immer mehr Energie bzw. Luft brauchst, um einen höheren Bruststimmenton zu erzeugen. Wenn Du nun nicht mehr mit der Bruststimme höher kommst, schlägt Deine Stimme in die Kopfstimme um und bei der Kopfstimme schwingen nur noch die Randkanten der Stimmlippen und die ist fein und sehr leicht in Schwingung zu versetzen. Also hast Du in dem Bereich, wo die Bruststimme in die Kopfstimme übergeht einen Energieüberschuss.

Die geballte Ladung Luft schießt auf die Stimmlippen und plötzlich bräuchtest Du nur noch ganz wenig, um sie zum Schwingen zu bringen. Ein Kopfstimmenton ist also viel leichter zu erzeugen als ein gleich hoher Bruststimmenton, klingt aber nicht so powervoll. Natürlich brauchst Du auch mehr Energie, je höher Du die Kopfstimme einsetzt. Das gleiche Prinzip wie für die Bruststimme gilt auch hier. Je höher Deine Kopfstimme ist, desto mehr Energie benötigst Du, um diese Schwingung aufrecht zu erhalten. Im Rock-/ Pop-Gesang gilt es einen möglichst großen Bereich zu erlangen, in dem sich diese beiden Stimmen mischen. In der Klassik setzten die Sängerinnen ausschließlich die kopflastige Mischstimme ein, im Rock/ Pop wird meistens mit der brustlastigen Mischstimme gesungen, da diese an Power und Ausdruckstärke der klassischen Stimme weit überlegen ist.

Was aber macht eine Mariah Carey, wenn sie Pfeifstimme singt?

Ihre Stimmlippen sind dann so stark gespannt, dass sie nicht mehr schwingen sondern nur noch ein Loch bilden, durch das die Luft pfeift. Diese Technik kann man jedoch nur einsetzten, wenn die Stimmlippen geschmeidig sind, was viel Training bedeutet. Es ist jedoch auch so, dass viele von Natur aus eine Pfeifstimme produzieren können. Hierauf einzugehen sprengt ein wenig den Rahmen.

Wie wird eine Joe Cocker-Stimme produziert? Wenn Du schon einmal versucht hast so rau zu klingen, wirst Du feststellen, dass Du ganz schnell heiser wirst. Der Trick liegt im Einsatz der Taschenfalten. Über den Stimmlippen gibt es noch „falsche Stimmlippen“, die sogenannten Taschenfalten. Sie schließen sich bei Extrembelastungen, wie z. B. beim Heben von schweren Gewichten.

Um die Taschenfalten zu trainieren gibt es folgendes Übung:

Stelle Dir vor, Du musst ein schweres Gewicht heben und mache dabei das Geräusch eines Gewichthebers (eine Art „Huh“). In den Taschenfalten ist kaum Muskulatur. Wenn Du diese Muskulatur jedoch trainierst, bist Du irgendwann in der Lage stundenlang, wie Joe Cocker zu singen, ohne heiser zu werden. Wenn nämlich durch Training die Muskulatur gestärkt ist, kommt der an den Stimmlippen erzeugte Ton durch diese aneinander gelegten Taschenfalten hindurch und ein rauchiges Geräusch erklingt.

Auf die Technik eines Steven Tylers oder Axl Rose möchte ich im nächsten Workshop zu sprechen kommen, da diese Technik nicht im Kehlkopf, sondern im Mund/ Rachenraum stattfindet, auf den wir noch zu sprechen kommen.

Und somit landen wir bei unserer Anfangsfrage, warum Du im Halsbereich beim Singen immer locker sein solltest. Stelle Dir vor, Du gibst immer zu viel Luft ab, als zur Tonproduktion notwendig. Das würde heißen, Deine Stimmlippen würden nicht nur als Tonerzeuger arbeiten müssen, sondern noch zusätzlich als Ventil gegen die ausströmende Luft funktionieren. Die Stimmlippen würden nach kürzester Zeit ermüden, Du würdest heiser werden und in extremen Fällen können die Stimmlippen sogar Schaden nehmen.

Also gilt: Anfänglich immer den Kopf leicht bewegen, damit der Halsbereich locker ist und Du nicht verkrampfen kannst.

II-4) Mund- und Rachenraum/Resonanzräume (Teil 1)

Beim letzten Workshop hast du gelernt, wie ein Ton produziert wird und welche Möglichkeiten Du hast, den Ton noch im Kehlkopf charakterlich zu beeinflussen. Dieses Mal verfolgen wir den Weg des Tones weiter bis zum Mund/Rachenraum, dem wichtigsten Resonanzraum beim Singen.
Du wirst erstaunt sein, welche verschiedenen Möglichkeiten sich hier bieten, dem Ton die unterschiedlichsten Charaktere zu geben.

Wenn man z.B. Axl Rose, Steven Tyler oder auch Tina Turner bei einem Live-Konzert beobachtet, wird man sehen, dass diese Profis besonders bei sehr hohen Tönen den Mund extrem weit öffnen (Steven Tyler ist meiner Meinung nach Weltmeister in dieser Disziplin). Nach diesem Workshop wirst du wissen warum.
Die obligatorische Frage also vorweg:

Warum brauche ich überhaupt Resonanzräume?
Wie du weißt, wird der Ton mit den Stimmlippen produziert. Hätte man die Möglichkeit, ein Mini-Mikrofon (Ich will hier nicht bezweifeln, dass es technisch heutzutage nicht möglich ist) direkt an die Stimmlippen zu halten, würde man von diesem Ton fast nichts hören. Um einen hörbaren Ton zu bekommen, müssen die im Kehlkopf produzierten Schallwellen verstärkt werden. Das wird nur dann funktionieren, wenn sich die Schallwellen richtig entfalten können. Dafür brauchen sie Platz.
Aufgabe der Resonanzräume ist es also, dem Ton den nötigen Raum zu geben, den er braucht.

Das ist natürlich nicht nur bei der Stimme so, sondern auch bei jedem akustischen Instrument wie Gitarre, Saxophon, Kontrabass….
Eine Akustikgitarre beispielsweise wäre kaum noch hörbar, würde man den Korpus mit Sand oder irgendetwas anderem füllen (macht natürlich keiner, oder!?!).

Beim Singen ist es so, dass der Haupt-Resonanzraum der Mund/Rachenraum ist, Der an den Stimmlippen entstandene Ton gelangt, nachdem er den Kehlkopf verlässt, in den Rachenraum, und dann in den Mundraum. Der vom Ton benötigte Platz hängt hierbei von der Tonhöhe ab.
Hierzu ist noch zu sagen, dass auch der Kehlkopf an sich schon als Resonanzraum fungiert. Aber es würde wieder einmal den Rahmen sprengen, das Ganze detailliert auszuführen.
Warum aber muss ich bei hohen Tönen den Mund extrem weit öffnen?

Um das zu veranschaulichen, vergleichen wir die Schallwellen mal mit Wasser, welches von einem Behälter aufgefangen wird. Wenn ich das Wasser eines tropfenden Wasserhahnes auffangen will, genügt mir hierfür ein kleiner Glas. Möchte ich hingegen den Wasserstrahl eines Feuerwehrschlauchs auffangen, brauche ich dafür mindestens eine Regentonne. Auf Töne bezogen ist der tropfende Wasserhahn ein sehr tiefer Ton, und der Feuerwehrschlauch steht für einen sehr hohen Bruststimmenton. Wenn du also einen tiefen Ton produzieren willst, musst du lange nicht soviel Platz im Mundraum schaffen wie für einen hohen Ton, dessen Schallwellen um ein Vielfaches intensiver sind als die eines tiefen Tones.

Probiere bitte folgendes aus:

Setze einen Bruststimmen-Ton im tiefen Bereich an (idealerweise mal wieder auf „äää“), wobei dein Mund wirklich nur leicht geöffnet ist. Dann ziehe den Ton nach oben, achte aber darauf, dass dein Mund sich nicht weiter öffnet. Aber einer bestimmten Tonhöhe wird der Ton entweder zusammenbrechen, in die Kopfstimme wandern oder er wird „nach hinten rutschen“ (was dem Toncharakter eines Opernsängers gefährlich nahe kommt). Egal, was mit dem Ton passiert, du wirst ihn auf keinen Fall in der Bruststimme kernig nach oben bringen können.

Wiederhole bitte die Übung mit dem kleinen Unterschied, dass du jetzt mit zunehmender Tonhöhe den Mund immer weiter öffnest, bis du das Gefühl hast, dein Unterkiefer verabschiedet sich gleich. Achte aber bitte darauf, dass du nicht im Hals verkrampfst. Du wirst merken, dass du jetzt den Ton viel weiter nach oben bringen kannst als vorher.

Merke also: Je höher der zu singende Ton ist, desto mehr Platz wird benötigt!

Gleiches gilt übrigens für den Faktor Lautstärke. Je lauter ich meinen Ton produzieren will (und zwar ökonomisch), desto mehr Resonanzraum brauche ich. Auch dafür gibt es ein wunderbar zu beobachtendes Beispiel: Babys! Wenn man sich fragt, warum aus einem so kleinen Körper so gewaltig laute Töne entstehen können, wie das beim Heulen und Schreien der Fall ist, dann braucht man eigentlich nur auf den weit geöffneten Mund des Schreihalses zu achten, und das Geheimnis ist gelüftet.

Den Mund weit zu öffnen ist aber nicht die einzige Möglichkeit für den Sänger, den Resonanzraum für den Ton zu vergrößern. Eine weitere wichtige Technik hierbei ist das Stauchen der Zunge.

Wenn du deine Zunge herausstreckst und in den Spiegel blickst, ist das, was du siehst, nur etwa ein Drittel des gesamten Zungenmuskels. Der Rest befindet sich weiter hinten, eben im hinteren Mundraum. Gelingt es dir, einen Teil dieser Zungenmuskulatur nach vorne zu bringen, hat dein Ton logischerweise mehr Platz= Resonanzraum. Das funktioniert so: Lege deine Zungenspitze an die unteren Schneidezähne, und presse dann die Zunge nach vorne. Jetzt muss die Zunge noch nach unten gebracht werden, was du erst mal mit dem Finger ausprobieren kannst, um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Position die Zunge hierbei einnimmt. Nach entsprechendem Training solltest du diese Position aber ohne Probleme sehr schnell hinbekommen. Ein Vergleich: Ein Auto, welches eine Länge von 4,5m hat und dann mit Tempo 150 gegen eine Mauer gefahren wird, ist danach nur noch 3m lang, es ist aber immer noch die gleiche Masse. So in etwa soll es sich mit einer gestauchten Zunge verhalten.

Natürlich könntest du deine Zunge auch rausstrecken, um sie aus dem Weg zu räumen. Aber das sieht auf Dauer sehr ungeil aus. (Steven Tyler nutzt dieses Stilmittel regelmäßig und bewusst und hat es sogar zum Markenzeichen gemacht).
Letztes Mal habe ich angedeutet, dir die Technik eines Axl Rose oder eines Steven Tyler zu erklären. Das muss ich leider auf nächstes Mal verschieben. Dazu nur soviel: Bei diesen Techniken spielt das Gaumensegel eine entscheidende Rolle. Und auch das Gaumensegel hält noch Möglichkeiten bereit, viel Platz für deinen Ton zu schaffen.
Also, bis nächstes Mal, und denk‘ immer daran bei hohen Bruststimmentönen den Mund weit aufzumachen.

II-5) Resonanzräume (Teil 2) / Wandstärke(1)

Beim letzten Workshop haben wir erklärt, warum es sich vor allem bei hohen Tönen empfiehlt, den Mund weit zu öffnen und die Zunge nach vorn zu stauchen. Diese beiden Techniken dienen u.a. dazu, dem Ton viel Platz zu schaffen.

Wir haben schon angedeutet, dass wir uns diesmal mit dem Gaumensegel befassen werden. Denn auch mit Hilfe dieser Verlängerung des harten Gaumens kannst du noch entscheidend viel Platz für deinen Ton schaffen, bzw. den Sound gravierend verändern.

Wie gerade schon angedeutet, ist der weiche Gaumen quasi die Verlängerung des harten Gaumens. Der für uns sichtbarste Teil des weichen Gaumens ist das sog. Zäpfchen.
Das ist das kleine, herunterhängende Ding in deinem Mundraum, das man sieht, wenn man mit aufgerissenem Mund in den Spiegel blickt.
Du kannst den weichen Gaumen aber auch erfühlen: Berühre mit deinem Finger den Bereich hinter den oberen Schneidezähnen. Hier erfühlst du den harten Gaumen.
Irgendwann wird der Gaumen weicher, hier beginnt der weiche Gaumen. Man sollte sich bei diesem Versuch allerdings nicht über eine gewisse „Würgegrenze“ hinauswagen, das könnte unangenehme Folgen für euren Fußboden haben.
W>enn du gähnst oder staunst, wirst du erfühlen, dass der weiche Gaumen hart wird. Er stellt sich wie ein Segel auf, darum heißt er jetzt auch Gaumensegel (rechte Abb).

Mit einem Blick auf das folgende Bild (Abb.13) kannst du erkennen, dass das Gaumensegel auch den Übergangsbereich zwischen Mundraum und Nasenraum darstellt.

UUm unseren kernigen, metallischen Trainingston zu erzeugen, müssen wir die Schallwellen in den Mundraum weit nach vorne bringen.

Zwar ist der Nasenraum dem Mundraum an Platz überlegen, jedoch ist es so, dass wir mit dem Nasenraum schlecht artikulieren können, um nicht zu sagen gar nicht.

Oder schaffst du es, „Killing me softly“ mit geschlossenem Mund zu singen? Der Mundraum ist also der entscheidende Resonanzraum beim Singen, wobei nasales Singen natürlich als Stilmittel oder zu Interpretationszwecken jederzeit genutzt werden kann (hierbei empfiehlt es sich den Mund, auch bei hohen Tönen recht geschlossen zu halten).

Um aber einen kernigen Ton zu erzeugen, sollten so wenig Schallwellen wie nötig in den Nasenraum gelangen. Also wäre es vorteilhaft, wenn du in der Lage wärst, den Zugang zum Nasenraum zu verschließen. Genau das kannst du mit dem Gaumensegel erreichen, Schau auf die Abb. 14, und stelle dir vor, das herabhängende Zäpfchen würde sich nach oben aufstellen. Der Zugang zum Nasenraum wäre somit versperrt. Wie erreichst du das?

Ganz einfach, wie bereits oben erwähnt:

Wenn du gähnst oder extrem staunst, passiert in deinem Mundraum exakt das eben Beschriebene. Das Gaumensegel stellt sich nach oben auf, verschließt den Nasenraum und der Ton gelangt fast vollständig in den Mundraum geraten. Du solltest also in der Lage sein, solch eine Gähnstellung im Mundraum künstlich zu erzeugen, und zwar besonders bei hohen Tönen. Außerdem vergrößerst du durch das Aufstellen des Gaumensegels automatisch deinen Resonanzraum im hinteren Mundraum. Um das zu trainieren, setzt du dich am besten vor einen Spiegel und sorgst für gute Beleuchtung. Jetzt öffne den Mund ganz weit, achte aber darauf, dass deine Zunge vorne bleibt. Du solltest das Zäpfchen sehen können.
Jetzt atme intensiv ein, so wie beim Gähnen, und du wirst sehen, dass das Zäpfchen langsam verschwindet. Im Idealfall ist das Zäpfchen nicht mehr zu sehen. Versuche dann, den Zustand, in dem das Zäpfchen am weitesten oben ist, zu halten. Vielleicht wird es dir die ersten paar Male nicht gelingen, aber je öfter du das Ganze trainierst, desto mehr Kontrolle wirst du über diesen Bereich erlangen.

Jetzt kommen wir dazu, dir die Technik eines Axl Rose oder Steve Tyler zu erklären

Das Markante an diesen Sängern ist u.a., das sie teilweise im extrem hohen Bereich singen, die mit der normalen Bruststimme gar nicht mehr zu erreichen wären.
Deshalb singen sie solch hohe Töne eher mit einer Mischstimme. Um aber die Mischstimme so kernig zu bekommen, beeinflußen sie den Ton in seinem Charakter noch zusätzlich mit dem Gaumensegel.

Bei dieser Technik muss man in der Lage sein, das Gaumensegel so extrem zu spannen, dass sich nicht nur das Zäpfchen aufstellt, sondern dass sich das gesamte Gaumensegel zu einem umgedrehten „V“ formt. Durch diese spezielle Form erzeugt man gewissermaßen ein Ventil für den Ton, durch das sich die hohen, schnellen, intensiven Schallwellen „hindurchzwängen“ müssen.

Dadurch werden sie sehr stark gebündelt und gelangen konzentriert nach vorne, ein kerniger Ton ist das Ergebnis.

Man muss wie gesagt sein Gaumensegel absolut unter Kontrolle haben, möchte man diese Technik ausprobieren. Du solltest diese Übung also nicht unbedingt in den ersten Trainingsessions probieren, sondern schon möglichst viel Gefühl für deine Stimme erlangt haben.
Wenn es dir nicht gelingt solche Töne über das Gaumensegel zu produzieren, sondern mit Kraft, wird das fatale Folgen für deine sängerische Zukunft haben!

Für’s Erste wirst du ohnehin genug damit zu tun haben, dein Gaumensegel so zu trainieren, dass es sich bei Bedarf aufstellen kann. Für hohe Töne merke dir also: Mund weit auf, Zunge nach vorn, Gaumensegel aufstellen!
So schaffst du optimal viel Platz für die hohen Töne.

Leider reicht diese Techniken nicht aus, um deinen Ton metallisch und kernig zu gestalten. Neben dem Faktor Resonanzräume ist auch der Faktor Wandstärke ganz entscheidend.
Wenn wir von Wandstärke sprechen, meinen wir damit möglichst viel festes, gespanntes Material im Mundraum und im Gesicht.

Warum brauche ich für einen kernigen Ton hartes Material und kein Weiches?

Um das zu erklären, bedienen wir uns wieder des Vergleiches mit der Gitarre.

Ein Gitarrist würde niemals eine Gitarre spielen wollen, deren Korpus aus Gummi ist. Gummi, also weiches Material, würde die durch die Gitarrensaiten entstandenen Schallwellen nicht transportieren, sondern sie einfach schlucken, also absorbieren.

Festes Material hingegen reflektiert Schallwellen, so dass sie besser transportiert werden können.

Um einen Ton kernig zu bekommen, musst du ihn im Mundraum weit nach vorne führen. Klar also, dass du dann mit weichem Material im Mundraum nichts anfangen kannst.
Du hast aber schon etwas für eine gute Wandstärke in einigen Bereichen getan, wenn du die bisher beschriebenen Punkte umsetzt. Befühle bspw. nochmal deine Zunge, wenn du sie nicht gestaucht hast. Du wirst feststellen, dass sie aus weichem Material besteht. Jetzt stauche die Zunge und überprüfe sie noch einmal auf ihre Festigkeit. Du merkst, dass sie in gestauchtem Zustand viel härter ist.

Und auch das Aufstellen des Gaumensegels führt dazu, dass du weiches Material, nämlich das Zäpfchen, aus dem Weg räumst, und so der obere Gaumen zu einer harten Resonanzplatte wird.

An welchen entscheidenden Stellen du die Wandstärke noch verbessern musst, um kernige Töne zu singen, ist Thema des nächsten Workshops. Hier wird sich auch klären, warum gute Sänger/Innen bei einigen Tönen auch schon mal „hässlich“ aussehen.

II-6) Gesichtsspannung

Unser Thema diesmal ist die Gesichtsspannung und die damit verbundene Tonführung. Wie wir euch bereits beim letzten Workshop erklärt haben, ist es für die Produktion eines kernigen, metallischen Tones unerlässlich, möglichst viel Wandstärke im Artikulationsbereich ( Gaumen, Zunge usw.) zu schaffen.

Noch mal zur Erinnerung:

Im Training wollen wir einen ganz bestimmten Ton erzeugen, einen powervollen, metallisch-kernigen Trainingston. Den bekommen wir nur hin, wenn der Tonsitz weit vorne ist, sprich hinter den oberen Schneidezähnen. Da sich die Schallwellen von ihrer Quelle (beim Singen sind das die Stimmlippen) aber in alle Richtungen sternförmig ausbreiten, müssen wir sie bündeln und nach vorne lenken. Schallwellen kann man aber nur durch hartes Material transportieren, da weiches Material die Schallwellen schluckt und nur sehr schlecht weiterleitet.

Legt man ein Ohr auf eine Eisenbahnschiene, kann man einen nahenden Zug schon hören, wenn er noch gar nicht in Sichtweite ist. Das wäre sicherlich nicht möglich, wenn die Schienen aus Gummi wären. Abgesehen davon könnte dann auch kein Zug mehr darauf fahren.

Wenn ihr alle technischen Aspekte, die ihr bis jetzt gelernt habt, schon umsetzt, habt ihr bereits eure Zunge gestaucht, wodurch ihr einerseits Resonanzraum schafft für euren Ton, andererseits aber auch für hartes Material sorgt. Auch das Aufstellen des Gaumensegels sorgt für viel mehr Platz, zusätzlich macht ihr aus dem weichen Gaumen eine harte Resonanzplatte.

Leider ist das noch nicht alles!

Wenn ihr euer Gesicht im Normalzustand befühlt, werdet ihr feststellen, dass es auch zum größten Teil aus weichem Material besteht. Vor allem die Wangen sind, wenn man nichts dagegen macht, echte Tonkiller, die in ihrem schlaffen Zustand in keinster Weise zu einem kernigen Ton verhelfen. Da aber selbstverständlich auch die Wangen mit Muskulatur bestückt sind, sind wir in der Lage, sie zu spannen und somit zu festem Material zu gestalten.

Das geschieht übrigens ganz automatisch, wenn ihr lächelt oder lacht. Dieses Lachen hilft euch beim Singen: Bringt euer Gesicht in eine Lächelstellung, je höher ihr singt in eine Staunstellung!

Da aber bekannterweise unser Körper am besten durch Übertreibung lernt, reicht es im Training nicht aus, während eines Tones nur ganz normal zu lächeln. Setzt euer übertriebenstes Grinsen auf, und vor allen Dingen kontrolliert es im Spiegel. Ihr macht es dann richtig, wenn ihr bei eurem Anblick erschreckt und denkt: „Gott, sehe ich scheiße aus“.

Natürlich werdet ihr euch am Anfang ein wenig blöd vorkommen, aber das ist völlig normal. Wann verzieht man im Alltag schon sein Gesicht zu einer Grimasse?

Dass es aber beim Singen völlig normal und sogar notwendig ist, sein Gesicht so extrem einzusetzen, könnt ihr an jedem guten Sänger beobachten, wenn ihr ihn live seht. Ob Bon Jovi, Steven Tyler, Tina Turner oder Robbie Williams, bei allen diesen Stars wird man, besonders bei hohen Tönen, Gesichter entdecken, die alles, was ihr am Anfang an Grimassen produziert, bei weitem in den Schatten stellen. Also auch hier gilt: Learning by watching!!!

Kleiner Tip:

Es gibt ein Video von Robbie Williams, „Live at the Royal Albert“, das sich als Lehrvideo hervorragend eignet. Besonders bei dem Song „I will talk and Hollywood will listen“ könnt ihr wunderbar die Gesichtsarbeit dieses brillanten Künstlers studieren, neben solchen anderen Faktoren wie Körperspannung, Lockerheit im Hals usw.

Um die Wirkung eines gespannten Gesichts zu testen, macht bitte folgende Übung: Setzt einen Ton in der Bruststimme auf „äää“ an. Zu Beginn dieser Übung solltet ihr ein typisches „Null-Bock“-Gesicht haben, d.h. die Gesichtsmuskulatur ist schlaff und nichts ist gespannt. Nachdem ihr den Ton angesetzt und ihn 2-3 Sekunden so gehalten habt, verzieht euer Gesicht langsam zu einem Lächeln und dann immer mehr zu einer Grimasse. Behaltet aber die Tonhöhe bei. Ihr werdet merken, dass der Ton mit zunehmender Gesichtsspannung kerniger, kraftvoller und metallischer wird. Es kann sogar sein, dass sich der Ton höher anhört als am Anfang der Übung mit dem schlaffen Gesicht. Das liegt an den Obertönen, auf die wir aber beim nächsten Mal erst eingehen.

Natürlich werdet ihr, wenn ihr auf der Bühne steht, nicht permanent eine Grimasse schneiden, das versteht sich von selbst. Aber letztendlich wird ein „arbeitendes“ Gesicht in der Live-Situation immer interessanter wirken als ein „faules“ Gesicht. Außerdem ist es letztendlich das Gesicht, das den Charakter des Tones bestimmt, und das nicht nur beim Singen. Wenn ihr ein wutverzerrtes Gesicht habt, wird eure Stimme auch immer wütend klingen, genauso wie ein trauriges Gesicht auch immer traurige Töne erzeugt. Das kann man in vielen Alltagssituationen beobachten.

Ein Beispiel:

Jemand telefoniert mit seiner Mutter, die ihn mal wieder mit irgendwelchen Belanglosigkeiten nervt. Der Gesichtsausdruck des Telefonierenden spricht Bände. Auf einmal reicht besagte Mutter den Hörer an den kleinen Bruder unsere Testperson weiter. Im Normalfall wird sich deren Gesicht erhellen und viel freundlichere Züge zeigen, was sich auch sofort auf die Stimme auswirkt. Sie wird sanfter, freundlicher geduldiger, und nicht selten auch in ihrer Tonhöhe nach oben wandern.

Ein langweiliges Gesicht erzeugt auch nur langweilige Töne!

Übrigens kann es passieren, dass ihr nach einer exzessiven Übungs-Session so was wie einen „Gesichts-Muskelkater“ verspürt. Das ist aber völlig normal und sollte euch dazu ermutigen, weiter zu trainieren.

Wichtig ist, dass ihr auch die Spannung der Lippen nicht vergesst. Denn die Lippen bilden den Rahmen des Tones, sie sind also die letzte Station eures Körpers, die der Ton passiert. Bei den meisten klassischen Sängern kann man beobachten, dass sie oft die Lippen nach außen schürzen, besonders bei den Vokalen. Das Ergebnis ist alles Andere als ein kerniger Ton. Um dem zu entgehen, spannt beim Singen eure Lippen so, dass sie an den Zahnreihen anliegen.

Auch dieses technische Stilmittel kann man hervorragend bei Robbie Williams beobachten!

Beim nächsten Workshop werden wir auf die Tonführung eingehen und euch erklären, weshalb ihr „beißen“ müsst, um im hohen Brustimmenbereich nicht heiser zu werden.

II-7) Die Zunge / Der Unterkiefer

Die Beherrschung ihrer Zunge ist für viele Menschen ein Problem. Der Ausspruch „jemand kann seine Zunge nicht in Zaun halten“, findet auch beim Singen seine Berechtigung. Physiologische Vorraussetzungen können die Beherrschbarkeit der Zunge fördern oder auch behindern. So bringen Leute, die die Zungenseiten nach oben wölben können, rein physiologisch günstigere Vorraussetzungen mit, als die nicht gerade selten zu finden, die dazu nicht in der Lage sind.

Diese Fähigkeit ist angeboren und nur bedingt erlernbar. Da die Zunge ein recht komplexes Muskelgebilde ist, kann man ihre Beweglichkeit trainieren. So kann man durch Training der gewölbten Zungenform, vergleichbar mit einer Rinne oder einem Löffel näher kommen.

Die Zunge sollte den hinteren Rachenbereich nicht verengen, weil der Ton sonst „knödelig“ klingt. Um das zu verhindern, sollte man lernen den hinteren Teil der Zunge möglichst weit nach vorne zu bringen. Die Zungenspitze berührt bei jedem Vokal die unteren Schneidezähne. Wenn man jetzt den hinteren Teil nach vorne bringt, schafft man sich Platz. Dieses Stauchen der Zunge sollte man im Training so weit Übertreiben, dass das vordere Drittel über die Schneidezähne hinaus ragt. Wichtig dabei ist, dass der Hals dabei locker, beweglich bleibt.

Eine gute Übung, um die Beweglichkeit der Zunge zu trainieren ist die Zunge so weit heraus zu strecken, wie nur möglich. Halte diesen Zustand fünf bis zehn Sekunden. Anschließend nimm die Zungenspitze so weit nach hinten wie möglich, so dass Du das Gefühl hast, Du würdest sie verschlucken. Auch diesen Zustand solltest Du fünf bis zehn Sekunden halten. Danach fahre mit deinem Zeigefinger zwischen obere- und untere Schneidezähne ca. 3 Zentimeter in Deinen Mund und versuche mit der Zunge den Finger zuerst fünf bis zehn Sekunden von der rechten Seite aus gegen den Widerstand des Fingers weg zu schieben, dann von der linken Seite aus.

Wie Du aus den vorangegangen Workshops gelernt hast, musst Du, um kernige, powervolle Töne zu produzieren lernen beim singen zubeißen. Der Unterkiefer ist bei diesen Tönen im Gegensatz zur Klassik nicht locker, sondern wird mit zunehmender Tonhöhe gegen einen imaginären Widerstand nach vorne unten gebracht. Dieses kannst du trainieren indem Du Deinen Handballen gegen den Unterkiefer hältst und während Du einen Ton hochziehst den Unterkiefer gegen den starken Widerstand Deines Handballens nach vorne unten schiebst.

Beim herunterklappen des Unterkiefers (natürlich mit Biss!!!) bringst Du problemlos die Zunge nach vorne und unten. Dadurch wird der Mund – Rachenraum noch stärker erweitert. So weit der Workshop für dieses Mal.

II-9) Tonführung

Sicherlich wirst Du festgestellt haben, dass bei manchen Sängern der Ton breit klingt, bei anderen schlank, oder besser metallisch. Das ist keine naturgegebene Eigenschaft, sondern das Produkt eines geführten Tones.

Was heißt das?

Als Sänger hast Du die Möglichkeit, Deinen Ton in seinem Klang zu beeinflussen, indem Du ihn beispielsweise „nach vorne“ bringst. Tonführung ist also nichts anderes als das Lenken der Schallwellen zum Zwecke der Soundvariation.

Klassische Sänger versuchen meist ein bestimmtes Klangideal zu erreichen. Bei ihnen ist der Tonsitz in der Mitte des harten Gaumens angesetzt, ein voluminöser Ton, ohne Ecken und Kanten, also langweiliger Sound ist die Folge. Im Rock / Pop Bereich gibt es so ein Ideal nicht, jeglicher Sound ist legitim. Ein guter Sänger sollte aber in der Lage sein, verschiedene Stile zu singen. Eine Tina Turner beispielsweise, die stellvertretend für den rockigen Soul steht, produziert oft sehr breite Töne, die sich teilweise nasal anhören, jedoch auch einen metallischen Kern haben. Axl Rose ein Vertreter des Hardrock, produziert im hohen Bereich oft enge, aber sehr obertonreiche Töne. Ein Frank Sinatra, der wohl populärste der so genannten „Crooner“ setzte seine Töne sehr weich und harmonisch an. Sein Stil ist vergleichbar mit dem Musicalgesang. Ähnlich singt Celine Dion, Diva aus Kanada, die jedoch wesentlich mehr Power in ihren Tönen hat. Steven Tyler, Frontmann der Gruppe Aerosmith, hat von allen Sängern den wohl brilliantesten Sound. Er setzt, ähnlich wie Robbie Williams unglaublich viel Gesicht ein, der Tonsitz ist direkt hinter den oberen Schneidezähnen.

Bei all diesen Sängern, Sängerinnen wirst Du aber feststellen, dass Sie Ihren Sound sehr oft variieren. Um diese Möglichkeit zu haben, sollte man als Sänger insbesondere die Tonführung bis ins Extrem trainieren. Wie schon bei den vorangegangnen Workshops versuchen wir einen Trainingston zu erzeugen, dessen Sitz extrem weit vorn, das heißt direkt hinter den oberen Schneidezähnen liegt.

Tonsitz kann man sehr schön beobachten bei Leuten, die einen bestimmten Dialekt sprechen. Zwei Beispiele: Ein typischer Bayer spricht in der Regel sehr knödelig, dass heißt sein Tonsitz im Mundraum ist eher hinten. Ein Wiener spricht in der Regel sehr weit vorne.

Wie trainiere ich meinen Tonsitz?

Stelle Dir vor, dass Du einen Metallfaden durch die beiden oberen Schneidezähne ziehst, wobei Deine Wangenmuskulatur und natürlich die Lippen sehr gespannt sein sollten. Wichtig hierbei ist, dass Du dem gedachten Metallfaden hinterher schaust. Selbstverständlich weißt Du schon, dass auch der Unterkiefer gegen einen imaginären Widerstand (also mit Biss) nach vorne unten gebracht wird. Als Übungsvokal empfiehlt sich hier ein „ääää“, ähnlich dem Ausruf „ey“!

Eine andere Übung ist das Führen des Tones an einer gedachten Mittellinie des harten Gaumens. Stell Dir vor, Dein oberer Gaumen besteht aus zwei Hälften, eine rechte und eine linke, in der Mitte durch ein Scharnier verbunden. Klappst du diese beiden Hälften nun imaginär zusammen, entsteht in der Mitte eine Führungslinie. Versuche Deinen Ton an dieser Mittellinie entlang zu führen, so dass er direkt hinter den oberen Schneidezähnen sitzt. Auch hier empfiehlt sich der Trainingston „ääää“.

Der Effekt hierbei ist, dass der harte Gaumen als Resonanzplatte funktioniert, um damit die Töne kernig produzieren zu können. Erreichst Du mit Deinem Ton die vorderen Schneidezähne, kannst Du die ganze Fläche des harten Gaumens (festes Material transportiert Schallwellen besonders gut) nutzen. Ist Deine Wangenmuskulatur gespannt, überträgt sich der Ton über den Gesichtsbereich in den Stirnbereich und wird hier durch die Obertöne bereichert, die die kleinen Resonanzräume dort bieten. (bitte Abb 8, Seite 34 einfügen)

II-A) Die Checkliste

Hallo VOCALFANS,

hier melden sich Andrés & Sir Danny. Bei diesem Workshop geht es, wie angekündigt um die CHECKLISTE.
Wie produziere ich einen Trainingston richtig…
Viel Spaß beim Studium!

Checkliste

Körperhaltung
Füße parallel, etwa schulterbreit auseinander, das Gewicht gleichmäßig verteilen, dies ist wichtig, um einen sicheren Stand zu haben. Die Knie nicht ganz durchstrecken sondern entspannt stehen. Insgesamt aufgerichtet stehen, d.h. die Schultern weder nach oben ziehen noch nach vorn hängen lassen. Der Kopf sitzt entspannt auf dem Hals, der Nacken ist entspannt, die Augen sind nach vorn gerichtet. Bild: eine hilfreiche Vorstellung ist die, dass am höchsten Punkt deines Kopfes ein Faden befestigt ist, durch den dein ganzer Körper aufgerichtet wird. Wenn du dieses Bild benutzt, stehst du automatisch richtig. Dies ist eine Hilfestellung und kein MUSS. Auf der Bühne bewegst Du Dich sowieso. LOCKERHEIT ist wichtig, VERKRAMPFUNG ist tödlich!!!

Ausatmung
Wichtig vor jeder Übung, damit Platz für frische Luft geschaffen wird. Bild: am besten ausatmen auf „fff“, wenn die Zeit zwischen den Übungen das zulässt.
Merksatz: Luft raus = Bauch rein (Zwerchfell steigt)

Pause
Vor der Einatmung kurz inne halten, um sich innerlich auf die kommende Übung vorbereiten zu können. Achte darauf, in dieser kurzen Pause im Halsbereich nicht zu verkrampfen, dort keinen Verschluss entstehen zu lassen. Merksatz: Nach der Ausatmung, wenn Zeit vorhanden, kurze Pause einlegen, zur Überprüfung der Lockerheit entspannt „eins, zwei, drei“ sprechen

Einatmung
Staunend mit einem tiefen „oooo“ einatmen, wenn wenig Zeit zwischen den Übungen ist oder schlürfend, wenn viel Zeit ist. Die Bauchatmung ist der Brustatmung vorzuziehen. Achtung: Die Schultern sollten bei der Einatmung ruhen (nicht hochziehen). Merksatz: Einatmung = Bauch geht raus. (Zwerchfell senkt sich durch Kontraktion ab)
Nach der Einatmung hast Du genügend Zeit für eine P A U S E!!! Bleibe gedanklich in der einatmungstendenz, denn so verhinderst Du, dass Du in die Einatmung hineinsingst! ! ! ! ! ! !

Luft einteilen
Schon bei der Einatmung den Tonumfang der Übung, also die gesamte Luftmenge bewusst machen, die zur Bewältigung der ganzen Übung benötigt wird. Merksatz: Lufteinteilung bewusst planen.

Innere Weite schaffen
Sich darauf konzentrieren, bei der Einatmung im Mund-, Rachen-, Hals-und Lungenbereich weit zu werden. Diese innere Weite und damit Straffung der Resonanzraumwände benötigst du für jeden Ton der zu singenden Übung.

Einsatzenergie
Der erste Ton bedarf einer gewissen Einsatzenergie (tiefe Töne – weniger, hohe Töne – mehr). Bild: Stelle die Bereiche deines Körpers, die für das Produzieren des ersten Tones wichtig sind, schon mit der Einatmung auf Bereitschaft ein. Merksatz: Den ersten Ton gedanklich Einatmen.

Einstellen des Gesichts
Bevor der erste Ton gesungen wird, Gesicht auf den ersten Ton einstellen. Merksatz: Tiefe Töne = Lächelstellung, hohe Töne = Staunstellung.

Mit dem Gesicht singen
Theaterhaft übertriebene Mimik hilft die Töne besser halten zu können. Eine gespannte Gesichtsmuskulatur schafft eine große Wandstärke des Mundraumes, die Töne werden, wenn gewünscht kernig, eine hohe Bruststimme braucht viel Wandstärke!

Töne stützen
Einen Ton zu stützen heißt, nur soviel Luft an die Stimmbänder zu geben, wie es für einen bestimmten Ton notwendig ist. Beim Singen unkontrollierte Luftabgabe meiden. Bild: Sich vorstellen, dass Singen keine Ausatmungs -sondern Einatmungstendenz hat. Die gespannte Bauchmuskulatur hindert das Zwerchfell am zu schnellen Steigen= unkontrollierte Ausatmung. Das hauchige Singen sollte nur als Stilmittel eingesetzt werden und ist bei Übungen grundsätzlich zu vermeiden. Ein Merkmal von zu starker Luftabgabe ist ein unerwünschtes „h“ während einer Vokalübung. Merksatz: So wenig Luft abgeben wie möglich, nur soviel wie nötig.

Bei hohen Tönen besonders viel Weite schaffen
Je höher die zu singenden Töne, desto weiter der Mund-Rachenraum. Bild: Beim Gähnen stellt sich das Gaumensegel automatisch auf. Die Vorstellung davon hilft, die nötige Weite zu schaffen.

In die Weite singen
Jeden Ton gedanklich in die Weite singen, nicht in die Höhe. Den weitest entfernten (höchsten) Ton in Gedanken umkurven, dies unterstützen einen kleinen Kick in Form von leichtem Nicken mit dem Kopf und gleichzeitigem Hochziehen der Augenbrauen. (Sieh Dir Live-Videos von Robbie Williams an!!!) Merksatz: In die Weite singen plus höchsten Ton umkurven = Töne richtig treffen.

Den Ton führen
Bild: Der Ton wird an einer gedachten Mittellinie entlang des harten Gaumen zu den oberen Schneidezähnen geführt, damit er kontrolliert und damit besser gehalten werden kann.

Tonsitz: Obere Schneidezähne
Der Sitz der Töne sollte kurz hinter den oberen Schneidezähnen sein und dort gehalten werden.

Den Ton in die Stirn schicken
Von den oberen Schneidezähnen den Ton an einer gedachten Linie entlang in die Stirn schicken (in die Maske singen), dadurch wird der Ton kerniger, metallischer, wenn gewünscht!

Lage der Zunge
Bei allen Vokalen berührt die Zungenspitze die unteren Schneidezähne. Sie liegt flach im Mund. Merksatz: Je höher der Ton, desto löffelförmiger und straffer die Zunge.

Spannung des Unterkiefers
Den Unterkiefer in einem Spannungszustand halten. Bild: Bei aufsteigender Tonhöhe den Unterkiefer gegen einen imaginären Widerstand nach vorne und unten schieben, bei absteigender Tonhöhe gegen einen imaginären Widerstand wieder zurück. Wichtig ist, dass die Backenzähne bei hohen Bruststimmentönen weit auseinander sind. Coole Sänger, wie der viel zu früh verstorbene Kurt Cobain hat man selbst bei hohen Tönen nie mit vorn weit aufgerissenem Mund gesehen. Merksatz: Unterkieferspannung mit Biss, Backenzähne bei hohen Tönen auseinander

Spannung der Lippen
Die Lippen zusammen bei zunehmender Tonhöhe um die Zahnreihen spannen. Bild: Die Lippen sind die letzte Station, bevor der Ton den Mund verlässt. Sie bilden somit den Rahmen für den Ton. Die Vorstellung, dass die Luft nicht abgegeben wird, sondern im Mund zirkuliert (Einatmungstendenz), hilft, länger mit ihr zu arbeiten und den Ton in die verschiedenen Resonanzräume zu schicken (Bild der Kontrollkerze). Merksatz: Luft wird zurückgehalten und zirkuliert im Mund.

Spannungszustand halten
Den Spannungszustand aller beim Singen beteiligten Muskeln erst nach Beendigung auflösen, d.h. Konzentration und Energie, die für eine Übung nötig sind, werden erst nach dem letzten Ton mit der anschließenden Einatmung aufgelöst.

Ton durch den ganzen Körper lassen
Durch Körperhaltung und durchlässige Spannung der gesamten Muskulatur dafür sorgen, dass der Ton nicht abgeschnürt wird. Merksatz: Dein ganzer Körper ist das Instrument, welches dich zu höchster Lust beim Singen führen wird!

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